EIN HAUS FÜR CARL...
Inspiriert von Thomas Pynchon’s Kurzgeschichte „Die heimliche Integration“ (Publikationsjahr) generiert der Entwurf ein Gebäude für die literarische Schlüsselfigur Carl. In Pynchon`s Geschichte ist Carl der Afro-Amerikanische Spielfreund einer Gruppe von weißen Jungen, die täglich mit dem Rassismus einer Amerikansichen Vorstadt konfrontiert werden. Erst am Ende der Geschichte wird dem Leser klar, dass Carl ein imaginäres Konstrukt der Jungen ist, das eine friedliche Integration fernab der Stereotypisierungen der weißen Erwachsenen ermöglicht. Carl fungiert als Schlüssel zu einer vorurteilsfreien Welt, die allerdings für Pynchon nur heimlich und projektiv, also fernab der rassistischen und kleinbürgerlichen Realität der Erwachsenen – funktionieren kann.
ANAMORPHOSE
Für das Thema dieser narrativen Architektur wurde die Methode der Anamorphose als Metapher verwendet. Bei der Anamorphose handelt es sich um ein Bilder oder Objekte, das auf eine bestimmte Art verzerrt oder entstellt worden ist, sodass sie nur unter einem bestimmten Blickwinkel wieder erkennbar werden. Das Haus von Carl wurde innerhalb der Seestrahlen, die die Eckpunkte Giebelhauses berühren, entworfen. Durch die Positionierung entlang der Seh-Achsen, verschwindet die Geometrie dahinter und es ist in dem bestimmten Blickwinkel nicht zuerkennen. Die Anamorphose des Gebäudes erzeugt eine optische Täuschung, indem man ein fiktives und ein reales Haus wahrnimmt.
BAUMHAUS
Das Haus für Carl ist als Baumhaus konzipiert, das, von vorne betrachtet geradlinig und eindimensional erscheint. Der Aufgang zum Baumhaus inszeniert jedoch eine perspektivische Verzerrung, die sich nach jedem Schritt das Baumhaus in eine komplexe mehrdimensionale Struktur verwandelt. Das Prinzip der Anamorphose, das hier zur Wirkung kommt, erzeugt eine optische Täuschung.
Gelangt man in das Innere des Hauses entfaltet sich ein offenes Raumgefüge mit Plateaus und Rampen, Nischen, Höhlen und Aussichtspunkte, die eine vielseitige und offene Nutzung zulassen. Weder eine Gebrauchsanweisung noch Normen werden hier gebraucht, einzig und allein durch die Fantasie der Kinder werden die Elemente vielseitig bespielt.
Das Haus von Carl ermöglicht einen kreativen Erlebnisraum, der an die Durchschnittsgröße von Kindern angepasst ist. Die Architektur nötigt dabei Erwachsene sich kleiner zu machen, um das Haus von Carl betreten und benutzen zu können. Diese räumliche Strategie generiert ein Gebäude, das jenseits der rationalen Erwachsenenwelt, auf die unverfälschte und vorurteilsfreie Sichtweise der Kinder hinweist und sich nur jenen offenbart, die bereit sind, die Realität von verschiedenen Blickwinkel zu betrachten.
VERORTUNG

Das Viertel Watts in Los Angeles wurde durch den Rassen-Aufstand von 1965 bekannt, der auf das sozial-innenpolitische Klima der 1960er, - Rassentrennung und Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung, reagierte. Dass Watts noch heute als sozial benachteiligter Wohnbezirk mit einer der höchsten Kriminalitätsrate gilt, ist auch am öffentlichen Raumprogramm des Viertels ablesbar. Parks und andere öffentliche Einrichtungen, die diesen Bezirk lebenswert machen könnten, sind nicht vorhanden.
Das Haus für Carl soll der Anfangspunkt eines nachhaltigen Entwicklungskonzeptes für Watts, Los Angeles werden. Nach einer Umwidmung der östlichen Industriebrache in Freifläche, wird das Baumhaus vorerst auf Stützen getragen, die Später durch die neu bepflanzen Bäume des zukünftigen Parks ersetzt werden sollen. Das Baumhaus bildet sowohl einen Neuanfang, als auch ein Mahnmal für den Rassismus. Die neu programmierten Flächen sollen vor allem für Kinder genutzt werden, die innerhalb eines präventiven Sozialprogrammes wieder das Gefühl von Natur, Spiel, Gemeinschaft und Leben erfahren können.




