Zurück in die Zukunft - Zurück zur Natur
Borg Dreihackengasse, Graz
Schule als Knotenpunkt der Kommunikation und Nachhaltigkeit in Gries. Das ist das Thema dieses Entwurfes. Das Gebäude das auf das Dach der Borg Dreihackengasse draufgesetzt wird, entsteht durch die Verbindungen zu den Nachbarn mit dem großzügigen Gewächhausturm. Dieser soll, von weitem erkennbar, ein Wahrzeichen der Nachhaltigkeit in Gries werden.
Der Bezirk Gries hat in Graz nicht den besten Ruf und der geht auch schon lange Zeit zurück, da dieses Viertel zunächst nur den einfachen Tagelönern und Arbeitern vorbehalten war, die durch die Handelstraße nach Triest ihren Arbeitsplatz dort fanden. Dadurch entstand in Gries eine große Vielfalt an unterschiedliche Kulturen, dass von den Grazer Bürger oft als Nachteil empfunden wird. Durch fehlende Integrationspolitik und städtebauliche Projekte hat das Viertel an Lebensqualität verloren beziehungsweise noch nie bekommen. Die neue Schule soll ein neuer Raum für neue Kommunikation bieten. Für ein Miteinander. Die Leute sollen aufgefordert werden sich zu treffen, organisieren und miteinander zu leben. Workshops werden für verschiedene Themen angeboten, ob Pflanzen, Kultur, Musik, Kunst, Theater, Bildung und weiteres. Die neue Schule soll Zentrum einer neuen offenen Gesellschaft werden.
UMGEBUNG
1 Kirche St. Andrä
2 ARGE Abfallvermeidung
3 Tanzschule Nicoletti
4 Medien Fabrik
5 Theater im Bahnhof
6 ISOP Innovative Sozialprojekte
7 Restaurant Bosporus
8 Mini Mex Kinderhort
9 Hauptschule St. Andrä
10 Stadtbibliothek
11 Bad zur Sonne
12 Griesplatz
13 Postgarage
14 Kunsthaus
Verschiedene Nachbarn in der nahen Umgebung werden in Projekte aktiv mit einbezogen oder sind wichtiger Bestandteil für die Schulausbildung. Die nördlichen Nachbarn ARGE - Abfallvermeidung und Ressourcen-Schonung werden die Schüler und andere Interessierte im Bereich Abfall, Kompost und Hausmüll unterrichten.
TIMELINE
Bildung und Schule sind aktuelle Themen unserer Gesellschaft. Es wird Zeit, höchste Zeit für eine Änderungung für eine neue Bildungsstruktur. Frontalunterricht, Abfertigung im Lehrplan und Platzmangel zeichnen die meisten heutigen Schulen aus. Leistung bestimmt der Alltag der Schüler. Alles wird an ihrer Leistung gemessen nicht an ihrer Menschlichkeit.
SCHULE FÜR ALLE so wird die Schule von der Freinet-Pädagogik beschrieb. Gegründet wurde diese 1920 von Cèlestin Freinet in Frankreich. Für ihn haben alle das gleiche Recht auf Bildung, weiters lehnt er Frontalunterricht mit ihren strengen autoritären Struktur ab. Er fördert Gemeinschafts-arbeiten, Eigeninitative und Neugier. Es gibt keine Schulbücher, den warum sollte man den Verlegern mehr ertrauen als den Kindern, die uns sagen was sie brauchen. Wichtiger Bestandteil ist die Publikation und Weiterverbreitung der Arbeiten der Kinder. Sie lernen von einander.
NICHT „NUR“ EIN GEWÄCHSHAUS
Das Glashaus erstreckt sich auf zwei Etagen und wird durch Rampen verbunden. Je nach Bedarf an natürliche Belichtung werden die Felder und Hochbeete bepflanzt. Das Dach ist in einem Bereich höher wodurch auch Bäume angesetzt werden können für die Obsternte. Das Augenmerk des Gewächshaus liegt in der Gemüse und Obstproduktion. Schüler, Nachbarn und andere Interessierte können hereintreten und je nach dem beobachten, pflegen oder ernten. Durch die großflächigen Glasflächen rund um das bestehende Atrium der Schule herscht große Transparenz innend und außen, wodurch die Kommunikation der einzelnen Bereichegefördert werden soll.
Die Früchte der Ernte werden für die Cafeteria verwenden, die sich im nördlichen Bereich befindet und mit der Firme ARGE verbunden ist, damit die Mitarbeiter dieser Firma sie ebenfalls benutzen können, damit noch mehr Austausch zwischen den Schülern und den ARGE-Mitarbeitern statt finden kann. Das restliche Obst und Gemüse wird am Markt verkauft oder geteilt.
Um den Schülern den fehlenden Bezug der Natur in der Stadt besser vermitteln zu können, werden sie auch aktiv in Kochworkshops ihre geernteten Produkte verarbeiten. Weiters werden seltene Samen gesammet und in der der Samenbank gespeichert um den weiteren Bestand seltener Gemüse- und Obstsorten zu sichern. Im Osten befindet sich ein weiterer Obstgarten, eine Lehrbienenzucht und ein Ziegen- und Schafstall. Es soll Interesse an den ökologischen Ressourcen der Natur wecken und wie man mit ihnen richtig umgeht. Ein Geben und Nehmen. Geben: die großen Grünflächen werden benutzt um das innerstädtische Kima wieder stabilisieren zu können und sollen für eine Temperaturreduzierung von 1°C - 2°C sorgen. Weiters soll die Luft der Innenstadt durch das Glashaus „gereinigt“ werden und die Schüler werden auch im Winter mit frischer Luft aus dem Gewächshaus versorgt werden.
ENERGIE
Die Glasflächen sind großteils als transparente Photovoltaikpanele ausgeführt, wodurch Strom für die gesamte Schule produziert werden kann. Weiters wird im Winter die warme Luft des Glashauses zum Vorheizen der Räume in der Schule verwenden um die Heizkosten zu verringern. Die Bewässerung erfolgt durch gewonnenes Regenwasser und Grauwasser, dass in den Regenwasserreservoir gespeichert wird, die sich unter den beiden Atrien der Schule befinden. Dieses Wasser wird auch als Brauchwasser für die gesamte Schule genutzt.„Das Projekt setzt die Schule als Knotenpunkt zur Kommunikation und Nachhaltigkeit im Bezirk Gries ins Zentrum, der fehlende Bezug zur Natur in der Stadt soll im Schulalltag integriert werden. Nach dem Motto „Zurück in die Zukunft – Zurück zur Natur“ soll vor allem der neu geschaffene Marktplatz, welcher in die Freiflächen der bestehenden Schule integriert ist, interkulturelle und generationenübergreifende Kommunikation fördern. Der Entwurf beruht nicht nur auf der Verzahnung der schulischen Funktionen mit weiteren Programmatiken, sondern ermöglicht es, Nachbarn direkter zu erschlie ßen und zu vernetzen. Positiv zu bewerten ist ebenso das Aufteilen des Entwurfs auf das gesamte Gelände, was einer realitätsnahen Umsetzung sehr nahe kommt. [...] Den Erläuterungen folgend wurde dieses Projekt für den 1. Preis ausgewählt, da es ein hohes Potenzial durch starken Realitätsbezug aufweist, die architektonische und soziale Performanz werden als integrativer Bestandteil des Projektes intelligent kombiniert.“




